Gleichgeschlechtliche Ehe – Wissenswertes zur Homo-Ehe


Lesbisches Paar - gleichgeschlechtliche Hochzeit

Sie liebt sie und er liebt ihn – doch wie und wo heiraten? Gleichgeschlechtliche Paare gibt es in Deutschland viele. Denn Liebe kennt bekanntlich keine Konventionen und das Geschlecht spielt für sehr viele Menschen keine Rolle. Gleichgeschlechtliche Paare konnten in Deutschland bisher nicht heiraten, sondern sich nur „verpartnern“. Die sogenannte Eingetragene Lebenspartnerschaft oder umgangssprachlich auch Homo-Ehe stellt das Pendant zur klassischen Ehe dar – aber es gibt deutliche Unterschiede.

Spätestens nach der neusten Abstimmung im Bundestag dürften sich aber viele homosexuelle Paare freuen – denn endlich ist die Ehe auch für sie möglich. Was Sie zu diesem Thema wissen müssen, haben wir in diesem Ratgeber zusammengefasst.

Die gleichgeschlechtliche Ehe – Fakten und Wissenswertes

Schwule Hochzeit - Heiraten ist nun auch für Homosexuelle möglich

Seit 2001 gibt es für homosexuelle Paare die Möglichkeit, eine Eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen. Diese sichert den Paaren relativ ähnliche Rechte, wie es auch unter Heterosexuellen der Fall ist. Die beiden Partner dürfen beispielsweise einen gemeinsamen Namen tragen oder profitieren von verschiedenen Versorgungsregelungen im Falle von Trennung sowie Tod.

Allerdings ist vor allen Dingen im Steuerrecht ein großer Unterschied festzustellen – hier gab es bislang keine Gleichstellung. Probleme ergaben sich bis dato auch, wenn homosexuelle Paare einen Kinderwunsch hegten. Denn eine Adoption ist nur im Ausnahmefall möglich: Ein Partner kann die leiblichen Kinder seines Partners adoptieren.

Politisch führte die gleichgeschlechtliche Ehe immer wieder zu Diskussionen – vor allen Dingen in der CDU. Doch am Ende siegte die Mehrheit, denn am 30.06.2017 beschloss der Bundestag die „Ehe für alle“. Die Gleichstellung homosexueller Paare mit heterosexuellen Paaren ist nun zum Greifen nahe. Die Reaktionen fielen sehr unterschiedlich aus. Im erzkatholischen Bayern hielt sich die Begeisterung in Grenzen, wohingegen in Hamburg oder auch Niedersachsen und Berlin über Tage hinweg gefeiert wurde.

Eingetragene Partnerschaft oder klassischen Ehe – die Unterschiede

Der allergrößte Unterschied wird deutlich, wenn der Kinderwunsch bei homosexuellen Paaren aktuell wird. Denn bislang konnten gleichgeschlechtliche Partner kein Kind zusammen adoptieren. Seit 2005 ist es möglich, das leibliche Kind des Partners zu adoptieren. Die Stiefkindadoption ist 2014 um eine Sukzessivadoption erweitert worden. Das bedeutet, ein Partner darf ein Kind adoptieren. Nach einer offiziellen Frist erhält auch der zweite Partner die Möglichkeit, eine Adoption zu durchlaufen.

Ein weiterer Unterschied wird bei der Steuer deutlich. Gerade beim Ehegattensplitting zeigte sich der Staat bisher wenig kooperativ. Die steuerrechtlichen Unterschiede bei homosexuellen Paaren sind verheerend, was sich mit der Entscheidung des Bundestages auch endlich ändern soll.

Gleichgeschlechtliche Ehe in der EU

Wenn Schwule und Lesben heiraten

Mittlerweile dürfen gleichgeschlechtliche Paare in 14 EU-Ländern eine Ehe eingehen. Als erstes Land überhaupt erlaubte Dänemark im Jahre 1989, dass gleichgeschlechtliche Paare sich standesamtlich registrieren lassen durften. Als weltweit erster Staat entschieden sich die Niederlande 2001 dazu, die „Homo-Ehe“ einzuführen. Zwei Jahre später folgten Spanien und Belgien diesem Beispiel. Im Anschluss daran zogen auch noch Portugal, Dänemark, Frankreich, Norwegen, Schweden, Slowenien, Großbritannien und Luxemburg nach.

Italien und Irland brauchten etwas länger. Die recht katholisch geprägten Länder öffneten die Ehe 2015 und 2016 für homosexuelle Paare. Dort gibt es allerdings noch immer große Einschränkungen im Adoptionsrecht. Als vorerst letztes Land hat Finnland im März 2017 gleichgeschlechtliche Eheschließungen erlaubt. Die USA zeigen sich ebenfalls sehr tolerant, denn hier wurde die gleichgeschlechtliche Ehe noch unter dem Zepter von Obama eingeführt. Aktuell ist noch offen, ob beispielsweise die Schweiz sich ein Beispiel an Deutschland nimmt und die Ehe für alle Paare öffnet. Bisher ist eine gleichgeschlechtliche Eheschließung hier nämlich noch nicht möglich.

Wie stark die Ehe zwischen Homosexuellen in der Gesellschaft akzeptiert ist bzw. wie heftig diese Thematik abgelehnt wird, zeigt folgende Umfrage auf Deutschlands Straßen:

Gleichgeschlechtliche Ehe – kirchlich heiraten?

Viele gleichgeschlechtliche Paare wünschen sich eine kirchliche Trauung. Grundsätzlich lehnt die katholische Kirche es ab, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen. Allerdings sind auch hier Ausnahmen festzustellen. Grundsätzlich gibt es Kirchen und Glaubensgemeinschaften, die eine Segnung ermöglichen, bei der um den Segen Gottes gebeten wird. Sehr offen ist die evangelische Kirche, die schon seit langer Zeit eine offizielle Trauungszeremonie für gleichgeschlechtliche Paare bietet. Mehr sogar: Die evangelische Kirche war dem Staat schon eine Weile voraus und hat in mehreren Landeskirchen offizielle Eheschließungen vor Gott erlaubt.

Das ist auch gut so, denn die „Segnung“ ist keinesfalls mit einer christlichen Trauung zu vergleichen, was vielen homosexuellen Paaren ein Dorn im Auge sein dürfte. Dennoch entscheiden sich viele gläubige Paare dafür. Die katholische Kirche zeigt sich aber nach wie vor sehr hartnäckig, denn für diese Institution ist die Ehe eine lebenslange Verbindung zwischen Mann und Frau. Eine Öffnung ist auch bis dato nicht vorgesehen, wenngleich einige Pastoren die Situation zwischenzeitlich anders bewerten. Möchten Sie kirchlich heiraten, sollten Sie sich ausführlich informieren und mehrere Kirchengemeinden kontaktieren.

Den Bund fürs Leben eingehen – die gleichgeschlechtliche Ehe

War bis vor einiger Zeit keine Möglichkeit gegeben, offiziell zu heiraten, hat sich das zwischenzeitlich geändert. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen endlich heiraten und genießen die gleichen Rechte sowie Pflichten wie alle anderen Ehepaare auch. Inwieweit eine Angleichung stattfindet, ist zum aktuellen Zeitpunkt zwar noch nicht klar, doch nach der Abstimmung ist abzusehen, dass die gröbsten Unterschiede wohl bald der Geschichte angehören. Das betrifft vorwiegend die Adoption und sicherlich auch das Steuerrecht. Wie genau die Trauung vollzogen wird, das ist eine individuelle Entscheidung. Religiöse Paare entscheiden sich natürlich für die Kirche, wohingegen weniger gläubige Paare eine freie Trauung bevorzugen.

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