Deutsch-türkische Hochzeit: Vom Kiz isteme bis zur Trauung


Wenn Partner aus zwei verschiedenen Ländern heiraten, prallen stets auch zwei Kulturen mit all ihren Traditionen aufeinander. Bei kaum einer bi-nationalen Hochzeit wirken die Hochzeitsbräuche auf den ersten Blick so kontrastreich wie bei einer deutsch-türkischen Hochzeit. Mit diesen Tipps lassen sich die Wünsche beider Familien vereinen, um eine unvergessliche Hochzeit zu feiern.

Mit diesen Tipps wird die deutsch-türkische Hochzeit ein voller Erfolg

Schillernd und pompös trifft auf intim und schlicht

Wie bei einer arabischen Hochzeit unterscheidet sich eine türkische Heirat schon auf den ersten Blick durch den üppigen, orientalischen Charakter von deutschen Hochzeitsfeiern. Anstelle einer intimen und zurückhaltenden Zeremonie ist Heiraten in der Türkei vom Heiratsantrag bis zur Hochzeitsnacht absolute Familienangelegenheit – und zwar der ganzen Familie. Besonders während der Planungsphase ist ein reger Kontakt der beiden Familienclans untereinander unabdingbar.

Möglicher Ablauf der Hochzeit:

  • Abholen der Braut im Autokorso
  • Standesamtliche Trauung
  • Fototermin während die Eltern Gäste begrüßen
  • Feierlicher Einzug des Paares & Eröffnungstanz
  • Abendessen & Unterhaltung
  • Übergeben der Geschenke
  • Anschneiden der Hochzeitstorte
  • Abschlusstanz und Verabschiedung

Angefangen bei den reich geschmückten Hochzeitskleidern bis hin zur Deko mit unzähligen Kissen, Rüschen und Tüchern gleicht eine türkische Hochzeit einem Traum aus tausend und einer Nacht. Tausend kann dabei aber auch die Anzahl der Gäste sein, während deutsche Familien schon bei über 80 Feiernden schlucken. Doch die Gästeanzahl ist nicht der letzte Kompromiss, den türkisch-deutsche Paare samt ihren Familien eingehen müssen.

Auch bei einer türkischen Hochzeit spielen Ringe eine große RolleDer Heiratsantrag

Längst ist es auch in der Türkei nicht mehr so, dass die Ehe vorrangig von den Eltern arrangiert wird. Ein Überbleibsel dieser Tradition ist das “Kiz isteme”: Nachdem sie seinen Heiratsantrag angenommen hat, erfolgt der erste Kontakt der Familie, wenn der Heiratswunsch traditionell vom Bräutigamvater an den Brautvater überbracht wird.

  • Achtung: Beim anschließenden Kaffeetrinken mit der Familie wird dem Bräutigam Kaffee mit Salz, Pfeffer und Zitrone serviert. Nur, wenn er austrinkt, sind seine Absichten ernst zu nehmen.

Im Falle von deutschen Hochzeiten ist damit die Verlobung offiziell und das Paar kann sich an die Hochzeitsplanung machen. Deutsch-türkische Paare können, je nach Vorliebe, jedoch auch noch diese türkischen Bräuche übernehmen, um ihr gemeinsames Glück zu feiern:

  • Söz Kesme: Besiegeln des Eheversprechens durch feierliches Durchtrennen verbundener Eheringe.
  • Nisan: Verlobungsfeier mit dem Aufwand einer kleinen Hochzeit inklusive Tanz, Dinner, Torte und Geschenken.

Der Abend vor der Hochzeit

Beim traditionellen Junggesellen- bzw. Junggessellinnenabschied lassen sich die typisch türkischen Bräuche erstaunlich problemlos mit denen der deutschen vereinen. So feiern nach dem traditionellen Teil des “Kina Geseci”, dem Bemalen der Braut und des Bräutigams mit Henna, die Geschlechter auch in der Türkei häufig getrennt weiter. Die Frauen laden sich dann zum Beispiel eine Wahrsagerin ein, lassen die Freundinnen mit Henna bemalen oder gönnen sich einen Wellness-Besuch in einem Hamam.

Henna-verzierte Hände einer Braut

Deutsch-türkische Trauung

In beiden Ländern ist eine standesamtliche Trauung Pflicht, wobei der Ablauf nahezu identisch ist. Bei türkischer Staatsangehörigkeit benötigt man für eine Hochzeit in Deutschland neben den üblichen Dokumenten ein Ehefähigkeitszeugnis und die Aufenthaltsbestätigung. Bei einer Hochzeit in der Türkei benötigen deutsche Staatsbürger zusätzlich maximal ein staatliches türkisches Gesundheitszeugnis.

Deutsch-türkische Paare, die auch religiös getraut werden wollen, haben es dagegen nicht so einfach. Aus der Sicht des Islams ist eine interreligiöse Trauung nur möglich, wenn der Mann Muslim ist, da er als Oberhaupt der Familie über Religion und Kindererziehung entscheidet. Im Christentum ist eine Kombination von katholisch und muslimisch streng genommen ungültig, aus evangelischer Sicht besteht jedoch kein Problem.

  • Tipp: Wer auf eine feierliche Zeremonie nach dem Standesamt nicht verzichten möchte, kann bei einer freien Trauung unabhängig von allen religiösen Instanzen heiraten und die Inhalte vollkommen individuell gestalten.
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