Lange Flitterwochen trotz Selbstständigkeit?


In Flitterwochen als Selbstständiger arbeiten

Selbständigkeit bedeutet, nicht tagtäglich um 16 Uhr Feierabend zu machen, an Wochenenden doch noch etwas erledigen zu müssen und spätabends statt auf dem Sofa im Büro zu sitzen. Dass sich dennoch so viele Menschen für diese Form der Berufstätigkeit entscheiden, liegt an der Freiheit, die sie trotz allem mit sich bringt. Ein verständnisvoller Partner, der das berühmte „Selbst-und-ständig“-Prinzip unterstützt, sorgt für Entlastung. Was aber, wenn lange Flitterwochen anstehen und es keine Möglichkeit gibt, im Job die Pause-Taste zu drücken?

Das Unternehmen alleine lassen. Keine Chance?

In Deutschland sind Selbständige in guter Gesellschaft. Alleine in den sogenannten freien Berufen standen im Jahr 2017 ganze 1,38 Millionen Menschen auf eigenen Beinen. Noch im Jahr 1992 waren es gerade einmal 514.000, wie eine Statistik zeigt. Viel Verständnis herrscht daher in der Gesellschaft, wenn es um die Herausforderungen der Selbständigkeit geht. Und doch stellen lange Auszeiten sogar erfolgreiche Unternehmer und Freiberufler vor besondere Herausforderungen.

Ganz wichtig zu wissen ist: Die Flitterwochen stellen zwar nicht die Weichen für eine glückliche Ehe – das geschieht lange vorher. Sie sind jedoch ein guter Anlass, die neue Form der Zweisamkeit zu feiern, sich Zeit füreinander zu nehmen und über die Zukunft zu sprechen. Selbständige, die ihre Flitterwochen planen, stecken daher in einem Zwiespalt. Zeit mit dem Partner steht hier auf den ersten Blick in direkter Konkurrenz zur Betreuung des Unternehmens. Beides scheint gleich wichtig zu sein, denn immerhin handelt es sich um verschiedene Lebensbereiche mit ganz eigener Daseinsberechtigung.

Das eigene Unternehmen alleine zu lassen, sorgt daher für Stress und Sorgen. Schon bei dem Gedanken stehen viele ernst zu nehmende Fragen im Raum:

  • Läuft auch in Abwesenheit alles so, wie es sein soll?
  • Was passiert, wenn ein Notfall schnelles Handeln erfordert?
  • Wie damit umgehen, falls ein vielversprechender Interessent ausgerechnet während der Flitterwochen eine Anfrage schickt?

Die Antworten auf diese Fragen können verschieden sein, gemeinsam ist ihnen jedoch das Fazit: Ganz ohne das Unternehmen geht es auch in den Flitterwochen nicht.

Junges Ehepaar genießt Flitterwochen

Zeit zum Durchatmen: Der Job sollte in den Flitterwochen nicht die erste Geige spielen.

Daher ist es nur empfehlenswert, den künftigen Ehepartner darauf vorzubereiten, dass auch während der Flitterwochen gelegentlich ein wenig Arbeit anstehen kann. In Zeiten „Digitaler Nomaden“ sind Notebook und Tablet an Stränden ohnehin gesellschaftsfähig. Auch die Tatsache, dass Paare in den Flitterwochen nicht jeden Schritt gemeinsam gehen müssen, kann für Entspannung sorgen. Vielleicht möchte einer von beiden zum Hochseeangeln fahren, während der andere lieber im Hotel bleibt? Perfekte Voraussetzungen, um sich für einen kurzen Moment über die aktuelle Lage im Unternehmen zu informieren.

Es ist also durchaus möglich, auch als Selbständiger lange Flitterwochen zu genießen. Nur zum Streitpunkt sollte der Job nicht werden. Auch wenn die Welt in einem Interview mit einem Diplom-Psychologen einen Streittag als sinnvoll beschreibt, gehören Harmonie und gemeinsamer Spaß während der restlichen Zeit einfach dazu.

Gutes Delegieren ist entscheidend

Wer sein Unternehmen alleine lassen möchte, muss selbstverständlich einige Vorkehrungen treffen. Niemandem ist geholfen, wenn Gedanken an den Job die Flitterwochen auf den Malediven beherrschen. Einen klaren Vorteil haben all diejenigen, die dazu in der Lage sind, wichtige Aufgaben zu übertragen und Verantwortung zu teilen. Im Gespräch mit den eigenen Angestellten gilt es dann, wichtige Punkte zu klären und einen klugen Notfall-Plan aufzustellen.

Buchhaltung im Urlaub erledigen

Freie Mitarbeiter können besser helfen, wenn vor der Reise eine gründliche Übergabe erfolgt.

Die Verantwortung nur einem Mitarbeiter zu übertragen, ist jedoch keine gute Idee. Immerhin sind auch Daheimgebliebene nicht sicher vor Infekten, die den Weg zur Arbeit unmöglich machen. Im Ernstfall gibt es dann im Unternehmen niemanden, der sich mit den wichtigsten Punkten des Arbeitsalltages auskennt und dem Geschäftsführer als sinnvoller Ersatz dienen kann. Das Aufstellen eines kleinen Kompetenz-Teams aus mehreren Mitarbeitern verteilt die Verantwortung auf mehrere Schultern. Alle Mitarbeiter sollten über die anstehenden Aufgaben informiert werden und klare Handlungsanweisungen für den Ernstfall bekommen. Hierzu kann auch die Aufforderung gehören, sich in besonderen Fällen zunächst an den Geschäftsführer zu wenden, um Fehler zu vermeiden.

Delegieren fällt leichter, wenn sich im Unternehmen eine klare Struktur zeigt. Werden wichtige Geschäftsprozesse wie die Zahlung von Löhnen und Gehältern über ein Lohnabrechnungsprogramm abgewickelt, ist die Übergabe vor den Flitterwochen schnell erledigt. Dann nämlich müssen Mitarbeiter lediglich mit der Software vertraut gemacht werden und können sich in Abwesenheit des Chefs oder der Chefin eigenständig um entscheidende Handgriffe kümmern.

In den Flitterwochen verfügbar bleiben

Natürlich ist es nicht immer möglich, das eigene Unternehmen zum Selbstläufer zu machen. Gibt es keine Mitarbeiter oder können bestimmte Aufgaben schlicht nicht übertragen werden, führt kein Weg daran vorbei, auch in den Flitterwochen für die Selbständigkeit zu arbeiten. Wie sehr der tägliche Blick auf das Unternehmen dann am gemeinsamen Zeitkontingent nagt, haben Solo-Selbständige und Unternehmer jedoch selbst in der Hand.

Auch hier ist Software das A und O. Es gibt viele Punkte, die sich heute automatisieren lassen und so viel Zeit sparen. Die Buchhaltung beispielsweise kann laut lexoffice auch online verwaltet und auf rechtssicherem Wege gemanaged werden. Wer sich aber mit komplizierten Abläufen befassen und jeden Arbeitsschritt selbst erledigen muss, bringt sich um wertvolle Zeit mit dem Ehepartner.

Ein achtstündiger Arbeitstag sollte daher nicht zur Debatte stehen, wenn es um erfüllende Flitterwochen geht. Dafür ist die Zeit in der Ferne schlicht zu kostbar. Um Streit und Unzufriedenheit zu verhindern, lohnt sich das Aufstellen eines klaren Planes. So können sich Paare beispielsweise darauf einigen, dass einer von beiden während der Reise jeweils zwei Stunden täglich an der Selbständigkeit arbeitet. Auf diese Weise ist am Schluss niemand enttäuscht und falschen Vorstellungen wird von Beginn an vorgebeugt. Wieder zu Hause im eigenen Land kann es dann wieder weitergehen mit langen Arbeitstagen und Wochenend-Stunden. An „selbst und ständig“ also ist tatsächlich etwas dran.

nach oben ↑